Unter 3

„Für eine gesunde psychische Entwicklung brauchen Kinder Personen, denen sie vertrauen können und die in belastenden Situationen für sie da sind. Entwickelt ein Kind
solch eine Beziehung zu einer Person, spricht man von einer sicheren Bindung. Die sichere Bindung eines Kindes zu einer Betreuungsperson ist gekennzeichnet von
emotionaler Wärme, Zuwendung, Sicherheit und Schutz. Sie ist vor allem wichtig, wenn das Kind in emotionale Belastung und erschöpfte eigene Ressourcen gerät und auf die
Unterstützung einer zuwendenden Person angewiesen ist“.

(Bertelsmann Stiftung, L. Ahnert)

Eingewöhnung
Um dem elementaren kindlichen Bedürfnis nach Geborgenheit und Sicherheit Rechnung zu tragen, gestalten wir eine sanfte Übergangsphase von der Familie in die Kindertageseinrichtung.
Wir orientieren uns dabei an dem „Eingewöhnungskonzept für Kinder unter drei Jahren in ev. Kindertageseinrichtungen der Kirchenkreise Iserlohn und Lüdenscheid-Plettenberg“, das auf dem „Berliner Modell“ basiert.

Die ersten drei Tage
Die Mutter oder der Vater kommt mit dem Kind möglichst immer zur gleichen Zeit zusammen in die KiTa, bleibt ca. eine Stunde zusammen mit dem Kind im Gruppenraum und nimmt das Kind danach wieder mit nach Hause. Die Eltern verhalten sicheher passiv und drängen das Kind auf keinen Fall, sich von ihm zu entfernen. Aufgabe der Eltern in dieser Phase ist es ein „sicherer Hafen“ für das Kind zu sein und dem Kind aufmerksam zu begegnen, ohne dabei zu lesen, zu stricken oder sich anders zu beschäftigen. Die Erzieherin bahnt über Spielangebote vorsichtige Kontaktaufnahme an, ohne zu drängen und beobachtet das Verhalten zwischen Eltern und Kind. In dieser Grundphase der ersten drei Tage wird kein Trennungsversuch unternommen.

Vierter Tag
Trennungsversuch mit dem Ziel einer vorläufigen Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnungsphase
(Der erste Trennungsversuch sollte auf keinen Fall am Montag erfolgen, dann erst am 5. Tag.)
Einige Minuten nach Ankunft im Gruppenraum verabschiedet sich die Mutter/der Vater bewusst vom Kind, verlässt den Raum, bleibt aber in der Nähe.
Die Reaktionen des Kindes sind der Maßstab für die Fortsetzung oder den Abbruch dieses Trennungsversuches. Reagiert das Kind gleichmütig und ist weiterhin an der Umwelt interessiert kann die Trennung bis zu max. 30 Minuten ausgedehnt werden. Dies gilt auch dann, wenn das Kind zu weinen beginnt, sich aber rasch von der Erzieherin beruhigen lässt.
Wirkt das Kind nach dem Weggang der Mutter verstört oder beginnt untröstlich zu weinen, so muss die Mutter/der Vater sofort zurückgeholt werden.

Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnungsphase
Klare Versuche der Kinder selbst mit Belastungssituationen fertig zu werden und sich dabei nicht an die Mutter/den Vater zu wenden, eventuell sogar Widerstand gegen das Aufnehmen, wenige Blicke zum Elternteil und seltene oder eher zufällig wirkende Körperkontakte sprechen für eine kürzere Eingewöhnungszeit, d.h. ca 6 Tage.
Häufige Blick- und Körperkontakte mit dem Elternteil und das heftige Verlangen nach Rückkehr der Mutter / des Vaters beim Trennungsversuch sind Anzeichen für die Notwendigkeit einer längeren Eingewöhnung, d.h. ca. 2-3 Wochen. Mit dem nächsten Trennungsversuch muss einige Tage gewartet werden.

Ab dem 4. Tag / Stabilisierungsphase
Die Erzieherin versucht von der Mutter / dem Vater die Versorgung und das Wickeln des Kindes zu übernehmen und sich als Spielpartner anzubieten.
Die Mutter/der Vater überlässt es jetzt immer öfter der Erzieherin, auf Signale des Kindes zu reagieren und hilft nur noch, wenn das Kind die Erzieherin noch nicht akzeptiert.
Nur wenn das Kind sich beim Trennungsversuch am 4. Tag von der Erzieherin trösten ließ bzw. gelassen auf die Trennung reagierte, sollte die Trennungszeit am 5. Tag ausgedehnt werden
Auch am 5. und 6. Tag ist die Anwesenheit der Mutter / des Vaters in der KiTa notwendig, damit sie/er bei Bedarf in den Gruppenraum geholt werden kann.
Wenn sich das Kind am 4. Tag nicht trösten ließ, sollte der Elternteil am 5. und am 6. Tag mit dem Kind wie vorher am Gruppengeschehen teilnehmen und je nach Verfassung des Kindes am 7. Tag einen erneuten Trennungsversuch machen.

Schlussphase
Der Elternteil hält sich nicht mehr in der KiTa auf, ist jedoch jederzeit erreichbar, falls die Tragfähigkeit der neuen Beziehung zur Erzieherin noch nicht ausreicht, um das Kind in besonderen Fällen aufzufangen.
Die Eingewöhnung ist beendet, wenn das Kind die Erzieherin als sichere Basisakzeptiert hat und sich von ihr trösten lässt.